Filme

ZEITRAUM (kurzer Ausschnitt), 1977, 16mm, Ton, 9min

 

 

Roland Fischer-Briand: Wenn der Körper ruht und das Auge Fahrt aufnimmt

Einleitung zum Katalogtext.

Aus: Alfons Schilling. Beyond Photography. Verlag für Moderne Kunst, Wien 2017

 

Alfons Schillings filmisches Werk ist überschaubar. Mit gerade mal vier autonomen Arbeiten, die gemeinsam 43 Minuten ergeben, ist es zugegebenermaßen schmal. 

 

Dennoch lässt sich seine Auseinandersetzung mit Bewegtbild im Medium Film über beinahe drei Dekaden spannen. Zwischen 1962 und 1991 entstehen neben seinen eigenen filmischen Werken Kollaborationen mit seinem Bruder, eine optisch-reflexive Performance-Dokumentation und private Filme und Studien, teils im Kreise seiner Freunde. Auch hier findet nicht minder eine Auseinandersetzung mit latenten Fragestellungen seiner Arbeit statt. Zudem kommen noch mehrere Kamera- und Schnittengagements für befreundete Proponenten der amerikanischen Kunst-Avantgarde sowie Auftragsarbeiten. Die Palette ist ausgesprochen breit und beeindruckend. Sie dokumentiert sein stetes Interesse für das Bewegtbild – auch in seiner projizierbaren Form.

 

Die verschriftlichte Rezeption seines filmischen Werkes ist auffallend spärlich. Im Besonderen wenn man bedenkt, dass er auch international hervorragend vernetzt war, und das nicht nur mit Zeitgenossen der bildenden Kunst wie den aufkommenden Wiener Aktionisten, deren Nährboden er selbst mit vorbereitet hatte. Auch in Amerika unterhielt er freundschaftliche, teils enge Beziehungen zu einer Riege wegweisender Künstlerinnen und Künstler, die Ende der 1960er- und 1970er-Jahre zur etablierten Kunstszene New Yorks gehörten. Sam Francis lernte er schon kurz nach seiner Ankunft ebendort kennen. 

 

Aber auch mit Filmemachern wie Stan Brakhage hatte er Kontakt. Eine lebenslange enge Freundschaft unterhielt er auch mit Steina und Woody Vasulka. Letztere hatten 1971 den Offspace The Kitchen, der im Mercer Arts Center in Greenwich Village untergebracht war, mitbegründet. Dieser entwickelte sich zur zentralen Anlaufstelle für zahlreiche Kunstschaffende, die im Bereich Musik, Film, Performance und Medienkunst tätig waren. Darunter Dara Birnbaum, Bill Viola, Gary Hill und Vito Acconci. Mit Filmemachern, die zugleich auch zu den wichtigsten Förderern des nicht-industriellen Films, also des Avantgarde-Kinos zählten, wie Jonas Mekas, Initiator des Anthology Film Archives, oder Peter Kubelka, Gründungsdirektor des Österreichischen Filmmuseums, pflegte er ebenso Freundschaften. 

 

Seine Biografie spannt sich zwischen der Alten und der Neuen Welt. So lässt sich auch seine Wanderlust anhand der Ortswechsel filmografisch nachzeichnen: Paris – Zürich – New York – Wien

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© Alfons Schilling